die Kraft der Natur auf dem Jakobsweg

Tag 9 Ponte Sampio – Combarro 18.06.2021

Tagesspruch

wenn man nicht weiß, wo man hinwill, kommt man am weitesten

Shakespeare/was ihr wollt

besondere Ereignisse

alleine beim Sichten der Fotos sehe ich, dass ich auf diesem Tag sehr viel erlebt habe. Mein Auge hat sich gefreut. Denn das ist es ja auch, was das Pilgern ausmacht. Mit allen Sinnen genießen, so wie ich es auch als Trainer für Achtsamkeit im Wald kenne. Dich auf den Weg einlassen, ohne wenn und aber, zu verlangsamen, zu entschleunigen.

Wie jeden Tag bin ich mit einem Café und Croissant gestartet. Und das als Yogalehrerein mit ner Zusatzausbildung als Ayurveda Coach…. In meinem Notizbuch steht allerdings, dass dieser Kaffee wesentlich schlechter war als der aus O Porrino. Direkt am Ortsrand traf ich auf 2 Holländer, die enorm schnell unterwegs waren, doch irgendwann nahmen auch sie die Geschwindigkeit raus, so dass ich sie sogar überholt habe.

Die heutige Etappe versöhnt mich wieder, denn sie ist landschaftlich ein Hingucker. Es ist perfektes Wanderwetter und ich kann tolle Bilder machen. Nach 2,5 Stunden komme ich in Pontevedra an. Um dort hinzugelangen, nehme ich die linke Wegstrecke, denn sie läuft durch den Wald. Als ich nach Pontevedra reinlaufe, dachte ich zunächst, dass dies auch kein Highlight wird, doch ich wurde eines besseren belehrt. Es gibt eine schöne Altstadt und nette Geschäfte. Hey und als Frau wird natürlich ausgiebig Windowshopping betrieben.  Ich kaufe meiner Tochter ein Souvenir und mache eine Pause in einem netten Café und nehme das zweite Frühstück zu mir. Bis zum Wasser und der Brücke schlendere ich weiter und die Holländer überholen  mich wieder.

Während ich meinen Weg so laufe, entdecke ich links eine ganz alte Bäckerei von 1922, in welcher immer noch gebacken wird und organisiere mir mein Mittagessen. Laut den Erzählungen muss ich jetzt aufpassen, denn hinter Pontevedra kann man sich entscheiden, ob man weiter auf dem Central bleibt oder die Variante Espiritual wählt.

Da diese mein Favorit war, frage ich im Vorbeilaufen die Holländer, doch sie haben keine Ahnung, wo und wie es weiter gehen soll. Ein paar Meter weiter treffe ich auf drei Portugiesen, welche mir im Internet eine kurze Beschreibung liefern und ich vertraue darauf, dass ich die Abzweigung nicht verpasst habe. Nach ein paar Minuten erscheint linker Hand die Abzweigung zum Espiritual. Auch finde ich einen Plan. Doch hier kommt wieder die Ernüchterung: 16km on top zu den bisher gelaufenen Kilometern. Die Frage aller Fragen ist, ob ich zwischendrin eine Unterkunft finde.

Ich laufe also weiter und hoffe, dass ich jemanden finde, der mir Auskunft geben kann. Weit gefehlt, die jungen Mädels mit Auto haben überhaupt keinen Plan. Dann entschließe ich  mich, dass ich meinen Joker Anne Chantal aus der Gruppe frage. Da sie nicht direkt antwortet, laufe ich weiter, treffe eine Frau und diese meint, dass in Camparela ein Hotel sei.

Also einfach weiter laufen, die Landschaft genießen und vertrauen lernen. Vorbei an Häusern, die eine komplette Fassade mit Muscheln haben

Laufen, laufen und wieder laufen, um dann nach einem verschlungenen Pfad in einem kleinen Ort anzukommen und festzustellen, dass das Hotel zu hat. Äh ja, das hatten wir schon. Ich erkenne, dass die Straße weiter runter eine Bar ist. Da mein Spanisch immer noch nicht besser geworden ist, nutze ich den Translator so dass mir der Alte Mann vor dem Café weiterhelfen kann. Mit dessen Hilfe und der Antwort von Anne Chantal entschließe ich mich, dass Porio leider auch nicht das Ziel ist, da auch hier die Herberge zu ist und ich bis Combarro muss. Auf die läppischen Kilometer kommts auch nicht mehr an. Ich laufe durch Wälder mit Eukalyptos und vielen mehr und begegne keiner Menschenseele.

Langsam kann ich wieder Wasser erkennen und laufe weiter.

In meinem Notizbuch steht, dass dies wirklich eine tolle Strecke ist und ich keinerlei Pilger mehr begegne und komme dann irgendwann in Combarro einer alten galizischen Stadt an. Im Hotel Xeto finde ich ein Zimmer.

Ich schlendere nach einer Dusche noch durch dieses Fischerort, genieße die Menschen, die hier sind und lasse den Tag ausklingen. Ab hier findet man die typischen Häuschen im Garten, die aussehen wie kleine Schreine.    

Zahlen, Daten, Fakten

hier findest Du die Strecke auf Komoot mit weiteren Bildern

höchster Punkt 190m, niedrigster Punkt 50m

24,6 km insgesamt unterwegs: 07:46 h